6 Faktoren die du prüfen solltest, bevor du einer wissenschaftlichen Studie vertraust

Studie

Es gibt kaum ein Thema, über das ich lieber rede, als über Ernährung. Es gibt aber auch kaum eine Thematik die so schnell die Gemüter erhitzen kann. Und dabei die Gäste in verschiedene Fraktionen teilt. Dabei beharrt jeder felsenfest auf seinem Standpunkt und glaubt im Recht zu sein.

Woran liegt das? Erst einmal sicher daran, dass die Grundlagen hochkomplex sind. Noch lange nicht sind alle biologischen Vorgänge erforscht. Es fehlt an Wissen, was im menschlichen Körper wirklich auf kleinster Ebene passiert. Aus diesem Grund werden natürliche Vitamine auch besser vom Körper aufgenommen, als synthetische. Die Betonung bei Nahrungsmittelergänzungen sollte also wirklich auf „Ergänzungen“ liegen. Natürliche Vitamine bestehen schließlich aus zahlreichen Komponenten, inklusive Enzymen, Co-Enzymen und Co-Faktoren. Sie können nicht einfach so imitiert werden. Von der Komplexität eines kompletten Apfels ganz zu schweigen.

Ein weiteres Problem ist, dass das was für Person A funktioniert nicht auch automatisch eins zu eins auf Person B übertragen werden kann. In den Grundzügen funktioniert gesunde Ernährung natürlich für alle Menschen gleich: Gemüse bleibt gesund und Industriezucker schädlich. Aber wenn es um konkrete Details geht, kann die praktische Umsetzung durchaus abweichen. Dies kann an einer unterschiedlichen Genetik liegen, an Unverträglichkeiten, aber auch an Vorlieben und Gewohnheiten. Das reine Faktenwissen reicht zudem oft nicht aus. Es ist stattdessen nötig, individuelle Ernährungsstrategien zu entwickeln.

Weiter kommt hinzu, dass zwar eine riesige Menge an Informationen über gesunde Ernährung vorhanden ist und auch zahlreiche Studien vorliegen, diese jedoch nicht immer korrekt durchgeführt oder groß genug angelegt worden sind.

Dies kann z. B. an zu wenig Versuchspersonen liegen. Ebenso an einer nicht randomisierten Verteilung der Personen und fehlenden Placebos. Außerdem an Voreingenommenheit und mangelhafter Verblindung der Forscher. Hinzu kommen schlechte statistische Analysen und nicht wissenschaftlich durchgeführte Auswertungen.

Doch selbst dann, wenn die Studien korrekt und ausreichend groß angelegt und die Ergebnisse wissenschaftlich einwandfrei ausgewertet worden sind, kann es sein, dass im Nachhinein falsche Schlussfolgerungen gezogen werden. Dies führt dann wieder zu inkorrekten Ergebnissen. Ein Klassiker wäre hier aus der Tatsache, dass Wirkstoff x den Cholesterinspiegel senkt, zu schlussfolgern, dass er bei Herz-Kreislauferkrankungen hilft. Hierbei wird dann völlig außer Acht gelassen, dass es zu Wechselwirkungen kommen könnte.  Oder, dass der Wirkstoff eventuell andere Vorgänge beeinflusst, die schlecht für das Herz sind. Die schnell ausgesprochene Aussage, dass der Wirkstoff dem Herzen hilft ist also vielleicht bei näherer Betrachtung nicht haltbar.

Ein anderes etwas überspitztes Beispiel wäre es, sich ein Forschungsteam vorzustellen, das Menschen auf einer Insel aussetzt. Dabei bekommt die eine Versuchsgruppe keinerlei Flüssigkeit, die andere hingegen einen Softdrink mit sehr viel Zucker. Jetzt muss man nur noch abwarten bis die erste Gruppe verstirbt und kann dann schlussfolgern, dass das Zuckerwasser die Überlebenschancen um 100 % erhöht und somit das neue Wundermittel ist, das jeder schnell im nächsten Supermarkt kaufen sollte. Industriezucker ist also doch gesund… Wie praktisch 🙂

Und dann hätten wir da natürlich noch die Fleisch- und Milchindustrie.

Die einen unglaublich starken Druck ausübt um weiterhin ihre Produkte verkaufen zu können.

Ein Beispiel gefällig? 1977 veröffentlichte das US Senate Committee on Nutrition and Human Needs Ernährungsrichtlinien für die USA (MCCovernReport). Darin wurde unter anderem geraten weniger Zucker und Salz zu konsumieren. Alkohol soll – wenn überhaupt – nur moderat genossen werden. Und es wurde angehalten, mehr pflanzliche und weniger tierische Produkte zu essen. Diese potenziell zu Umsatzverlusten führenden Ergebnisse gefielen der Fleisch-, Eier-, und Milchindustrie natürlich gar nicht. Als Resultat wurde durch Druck von ihnen nicht nur das Ziel des reduzierten Fleischkonsums gestrichen, sondern sogar das Komitee aufgelöst. [1]

Schlechte Aussichten also für den Verbraucher, der sich informieren möchte, wie gesunde Ernährung denn nun geht.

Auf Grundlage dieser Überlegungen kann man sich aber glücklicherweise nun sechs Punkte ableiten, die erfüllt sein sollten, um einer Studie glauben zu schenken:

  1. Die Studie ist groß angelegt und korrekt durchgeführt worden.
  2. Sie wurde von einem unabhängigen Forschungsteam behandelt.
  3. Es wurden keine falschen Schlussfolgerungen gezogen.
  4. Die Forschungsergebnisse wurden von unabhängigen Forschern bestätigt.
  5. Die Ergebnisse sollten in einer Zeitschrift mit hohem Impact Factor veröffentlicht worden sein. Der Impact Factor kann als Maßzahl für Reputation gesehen werden. Ein hoher Wert spricht für eine große Menge Testpersonen und kompetente Forscher. Die bedeutendsten Zeitschriften sind Nature und Science. Dabei hat jedoch auch jedes Fachgebiet eigene Spitzenreiter. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wäre dies beispielsweise die Circulation.
  6. Es sollten idealerweise bereits Metastudien existieren. Dabei werden Resultate zu bereits durchgeführten Studien zusammengetragen und im Kollektiv ausgewertet.

Achtest du auf diese Punkte und gehst analytisch und kritisch an die Sachlage heran, dann bist du auf einem guten Weg um dem Irrgarten aus Ernährungsmythen zu entkommen. Und dann musst du nur noch deine Freunde davon überzeugen. 🙂

Als kleines Nachwort möchte ich noch anmerken, dass ich natürlich nicht gegen kleinere Studien und Veröffentlichungen in weniger bedeutenden Zeitschriften bin. Dies ist elementar um der Masse an Forschungsthemen gerecht zu werden und einen Anfang zu machen. Werden dann relevante Ergebnisse erzielt, müssen diese aber aufgegriffen werden und in größeren Studien wiederholt werden, um korrekte Aussagen tätigen zu können.

[1] Nestle, M.:Food Politics.www.foodpolitics.com/wp-content/uploads/Hegsted.pdf (Abfragedatum 27.01.2017).

Schreibe einen Kommentar